Waffen im Haus

Waffen im Haus

Von Katy Jill Pearce

Am Valentinstag dieses Jahres erschoss der südafrikanische Paralympics-Star Oscar Pistorius seine Freundin Reeva Steenkamp mit einer 9-Millimeter Pistole. Er beteuerte , dass er sie für einen Einbrecher hielt und habe sie aus Versehen getötet. Ob die Tat ein versehentlicher Akt der Selbstverteidigung oder ein vorsätzlicher Mordfall war, wird in den folgenden Monaten im Gericht entschieden. Der Fall wirft aber wichtigen Fragen über den häuslichen Besitz einer Schusswaffe auf.

Angst vor Einbrechern und Kriminalität ist keine Seltenheit in Südafrika und besonders die Häuser von reichen Leuten, wie Pistorius, werden häufig mit Stacheldraht und Mauern umzäunt und sogar mit bewaffneten Wachen geschützt. Anscheinend reicht das aber nicht ihnen ein Gefühl der Sicherheit zu geben und laut einem Artikel in der Telegraph Zeitung führe diese Angst vor Kriminalität dazu, dass jeder zwanzigste Staatsbürger eine gemeldete Schusswaffe besitzt. Wenn man überlegt, dass die Mordrate dort 31.9 pro 100,000 Einwohner ist, verglichen mit 1.2 pro 100,000 Einwohnern in Großbritannien, könnte man vielleicht verstehen warum manche Leute nach einer Schusswaffe zum Selbstschutz greifen. Natürlich werden Waffen aber nicht beliebig ausgeteilt, wie der Vorsitzende von der Gun Owners of South Africa Verein (GOSA) erklärte: „ Der Staat versucht Waffen zu kontrollieren. Es ist ein langwieriger und kostenintensiver Prozess einen Waffenschein zu bekommen.“ Wenn man an die amerikansche Bevölkerung denkt scheint es auch relativ normal zu sein eine Waffe zu besitzen. Im zweiten Zusatzartikel der US-Verfassung wurde es festgeschrieben, dass in einem freien Staat das Recht des Volkes besteht ist eine Waffe zu besitzen. Können wir wirklich dagegen argumentieren, wenn dieses Waffenrecht für den Schutz einer Familie gegen Kriminelle verwendet wird?

Dazu muss man sich aber wiederum fragen wozu diese Waffen im Haus in Realität benutzt werden. Trotz Behauptungen von Waffenbefürwortern, dass sie nur zur Selbstverteidigung gegen Eindringlinge da sind, werden häufiger Familienmitglieder erschossen. Laut einem Bericht des Southern Medical Journals führe eine Schusswaffe im Haus 12 mal häufiger zum Tod eines Familienmitglieds oder Besucher, als zum Tod eines Einbrechers. Sei es Selbstmord, Mord eines Familienmitglieds oder ein tragischer Unfall, wenn man eine Waffe in ein Haus einbringt, bringt dies eine Gefahr mit sich, die größer ist, als von Außerhalb. Am tragischsten ist der Unfalltod. Laut dem Bericht gab es im Jahr 2009 in der USA 642 Todesfälle, die durch Unfall mit einer Schusswaffen verursacht wurden und in den meisten Fällen waren Kinder die Opfer. Zum Beispiel die Tragödie des 3 jährigen Jungen Tmorej Smith aus South Carolina, der sich diesen Monat ins Gesicht schoss, als er und seine Schwester mit einer Handfeuerwaffe spielten. Solche Unfälle kommen viel zu häufig vor und man könnte behaupten, dass eine große Anzahl davon eine Folge der Dummheit seien. Wären diese Waffenbesitzer vorsichtiger, würden diese Pistolen nicht in die Hände ihrer Kinder geraten.

Obwohl die Schweiz den drittgrößten Anteil an Schusswaffen in der Welt hat, ist ihre Mordrate relativ niedrig. Laut einem Bericht der TIME Zeitung sei die Mordrate in der Schweiz 0.5 pro 100,000 Einwohner im Vergleich zu 5 pro 100,000 in der USA. Im Hinblick auf solchen Ziffern könnten andere Länder, wie die USA und Südafrika vielleicht etwas von der Schweiz lernen. Der Waffenbesitz ist ein Teil ihrer Kultur und ihrer nationalen Identität, aber Hand in Hand geht auch immer eine gute Erziehung über Sicherheit und Verantwortung des Waffenbesitzes, die schon während der Kindheit anfängt.

Obgleich ein größerer Fokus der Sicherheit mit Schusswaffen solche Tragödien im Haus vermindern könnte, solche Fälle kann man nur mit Gewissheit vermeiden , wenn man an erster Stelle keine Schusswaffen hat. Ob Pistorius in Notwehr handelte oder in einem Rausch von Wut und Wahnsinn seine Freundin ermordete, die Tatsache bleibt bestehen, dass im Endeffekt nicht ein Krimineller, sondern eine Unschuldige ums Leben gekommen ist und ohne das Vorhandensein dieser Waffe zum Selbstschutz, wäre sie noch am Leben.

Redakteur: Moritz Schneider

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