Aus großer Macht folgt große Verantwortungslosigkeit: Deadpool, Filmrezension

Aus großer Macht folgt große Verantwortungslosigkeit: Deadpool, Filmrezension

SAM OSBORN

Wegen des Zustroms von Marvel Filmen in den letzten Jahren und den noch folgenden Projekten, sollte man meinen die Comic Buch basierende Superhelden-Gattung sei nicht mehr als ein langweiliger und überbeanspruchter Tropus. Man hätte auch Recht. Solche glanzlosen Filme werden oft nur gedreht, damit die Filmproduktionsgesellschaft sich an Fans des Genres bereichern kann. Ab und an bringt ein Produktionsstudio etwas wirklich Tolles wie X-Men: Zukunft ist Vergangenheit oder Beschützer der Galaxie heraus, wobei sie keine Mühen scheuen. Leider ist die Mehrheit eher mittelmäßig.

Deadpool ist kein solcher Film. Die übliche und langgezogene Entstehungsgeschichte, an die wir uns bei Vorgängern gewöhnt haben, wird uns erspart und alles was wir von Marvel Studios gewöhnt sind, ändert sich. In dieser Version wird der bisexuelle, derbe Antiheld von Ryan Reynolds verkörpert. Im Stile von Wolverine verfügt er über unglaubliche Selbstheilungskräfte, die ihn aber am ganzen Körper (u.a. im Gesicht) mit Tumoren bedeckten. Reynolds hat in einem Interview gemeint, dass er schon lange seinen Lieblingscharakter aus dem Marvel Universum spielen wollte. Es habe aber eine Weile gedauert das Studio zu überzeugen, dass der Film profitabel wäre. Entstehungsgeschichten gerieten aus der Mode und das Studio bevorzugte eher die Entwicklung von Charakteren, die wir schon kennen.

Wie sich jedoch gezeigt hat, ist Deadpool keine normale Entstehungsgeschichte. Der Schwerpunkt liegt nicht auf der Exposition sondern auf Einzelheiten, die langsam aus dem Film herausgekitzelt werden. Die Auswirkung auf den Film ist jener derbe Humor und jene sexuellen Anspielungen die den Plot steuern. Der Sinn für Humor besteht aber aus etwas mehr als banalem Witz; die andachtslose Behandlung von Marvels vergangener Arbeit stichelt subtil gegen die weniger erfolgreiche Verfilmung von Green Lantern und den Kurzauftritt von Deadpool in dem erbärmlichen X-Men Origins: Wolverine von 2009. Die 151 Minuten verstreichen blitzschnell als wäre die Lauflänge viel kürzer, was teilweise an den umwerfend inszenierten Kampf- und Gewaltszenen liegt.

Deadpool reiht sich in die neue Gruppe von „aufgewachsenen” Comicbuch-Superhelden ein, wie Watchmen oder Christopher Nolans Dark Knight Trilogie: draufgängerisch, finster, neigend zu

gewalttätigem Verhalten. Der Film kommt aber keinesfalls mühsam rüber, da der Humour einen bis zum Abspann zum Lachen anreizt. Obendrein wird vermieden die Handlung ermüdend oder oberflächlich erscheinen zu lassen und bleibt durchgehend fesselnd.

Zusammenfassend könnte Deadpool ein echter Klassiker der Marvel Studios werden und ist ein Muss für alle, die immer noch Liebe für das Genre pflegen und auch diejenigen, die ziemlich dringend einen Hauch frischer Luft brauchen.

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